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Im Februar fand am Gymnasium Birkenfeld der von der Fachschaft Geschichte organisierte Demokratietag für die Klassenstufe 10 statt. Rund um die Wanderausstellung „Einige waren Nachbarn“ des United States Holocaust Memorial Museums Washington D.C. (USHMM), die dem Gymnasium von der Gedenkstätte KZ Osthofen zur Verfügung gestellt wurde, erhielten die Schüler einen tiefen Einblick darin, wie es zum Holocaust kommen konnte. Neben der Ausstellung informierten eine Lesung und der Dokumentarfilm „Ganz normale Männer“ die Schüler über dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte.

Im Focus der einzelnen Projekte an diesem Vormittag, insbesondere aber der Wanderausstellung, stand nicht die zentrale Rolle von Hitler und anderen Führern der NSDAP bei der Durchführung des Holocaust. Vielmehr ging es darum, einen Blick auf die gewöhnlichen Menschen, die Nachbarn, zu werfen. Hier setzt das Konzept der Ausstellung an, die als Rundgang konzipiert ist. Durch ausgewählte Fotografien und kurze Texte werden spezifische Phänomene wie z. B. Komplizenschaft, Profitgier oder Widerstand hervorgehoben, die den Schülern auch heute noch im Alltag begegnen. Außerdem wird deutlich gemacht, wie von gewöhnlichen Menschen durchgeführte bzw. nicht durchgeführte Handlungen zur Entwicklung des Holocaust beigetragen haben. Nach einem Rundgang und einer Gruppenarbeitsphase konnten sich die Teilnehmer in einem anschließenden offenen Diskurs, der durch fünf Mitglieder der AG Stolpersteine begleitet wurde, über ihre dabei entstanden Gedanken und Fragen austauschen.

Der Dokumentarfilm „Ganz normale Männer“, der den Schülern an diesem Morgen gezeigt wurde, basiert auf dem gleichnamigen Buch des Historikers Christopher R. Browning. Wie in der Ausstellung wird hier der Blick auf den normalen Menschen geworfen, in diesem Fall auf einfache Polizisten des Reserve-Polizeibataillons 110. Es wird der Frage nachgegangen, wie diese Männer, die aus der Mitte der Gesellschaft kamen und in den meisten Fällen keine überzeugten Nationalsozialisten waren, zu Mördern wurden. Die Schüler erfuhren, dass die Polizisten sich weigern konnten, an Erschießungen teilzunehmen, ohne dafür mit Konsequenzen zu rechnen. Und sie erfuhren, wie Gruppenzwang und andere Faktoren auf die Männer einwirkten, so dass sie zu Mördern tausender Juden und Partisanen wurden.

Am Ende des Demokratietages stand die Erkenntnis, dass es nicht nur einige führende Persönlichkeiten des Nationalsozialismus waren, die den Holocaust ermöglichten, sondern auch die Mehrheit der normalen Bevölkerung durch Wegschauen, Profitgier, Komplizenschaft und aktive Teilnahme an den Morden. Die Ausstellung und der Film zeigten aber auch, dass Widerstand oder Verweigerung möglich waren, und dieses „Nein“ ein Vorbild für heutiges Handeln in Situationen sein muss, wo Menschen ausgegrenzt und gedemütigt werden.
