Johanna Schneider, MSS 13
Am Freitag, den 19.06.2026 machten sich 20 Schüler*innen der Klassenstufen 10-13 gemeinsam mit Herrn Heck und Frau Steiner-Wilhelmi auf den Weg in die polnische Stadt Oświęcim, besser bekannt als Auschwitz. Nach dem Auspacken gab es eine Stadtführung, bei der wir viel über die Geschichte des Ortes erfuhren. Diese endete mit dem Besuch eines jüdischen Museums, in dem wir auch in einer aktiven Synagoge Platz nehmen durften.

Am nächsten Morgen führte uns ein Guide durch das Stammlager Auschwitz I. Wir besichtigten verschiedene Häuserblöcke mit Ausstellungen, sodass wir Einblicke in die grausamen Verbrechen im Lager erhalten konnten. Besonders beeindruckten uns gesammelte Schuhe und Haare der Opfer, die allen das Ausmaß der Ermordungen vor Augen hielten. Gestärkt durch ein Mittagessen in unserer Unterkunft besuchten wir die ehemalige Villa von Rudolf Höß, in der an diesem Tag eine neue Ausstellung eröffnete. Hier gab es bewegende Fotografien zu sehen und um die Erinnerungskultur aktiv mitzugestalten, durften wir eigene Fotos anfertigen, die an einer Pinnwand angebracht wurden. Anschließend hatten wir zwei Stunden Zeit, Auschwitz I eigenständig zu besichtigen. Viele von uns sahen sich Länderausstellungen an oder gingen in bereits besuchte Räumlichkeiten, um gesammelte Eindrücke noch einmal auf sich wirken zu lassen. Zurück im Hostel präsentierten alle selbst gewählte Bücher, die sich mit einer Opfer- oder Täterperspektive befassten.



Am kommenden Morgen fuhren wir mit dem Bus zu Auschwitz II bzw. Birkenau. Bereits der Anblick des Eingangstores und der Rampe schaffte eine bedrückende Atmosphäre. Zunächst erklärte unser Guide die verschiedenen Bauabschnitte des Geländes und als er von etwa 170 Hektar Fläche sprach, wurde allen die Größenordnung des Vernichtungslagers deutlich. Daraufhin gingen wir in einen sogenannten „Wohnblock“. Die hohen Temperaturen an diesem Tag ließen uns erahnen, welch eine zusätzliche Belastung das Wetter für die Häftlinge gewesen sein muss. Die Besichtigung eines „Sanitärblocks“, der nur zweimal am Tag für die Notdurft geöffnet wurde, führte uns die unzumutbaren Hygienezustände im Lager vor Augen. Emotional war auch die „Sauna“, in der den Menschen das letzte Stück Identität mit der Ersetzung ihres Namens durch eine Nummer genommen wurde. Im letzten Raum des Gebäudes sahen wir eine recht neue Ausstellung, in der 2000 Fotos, die in Koffern versteckt waren, ausgestellt sind. Damit verfolgt man das Ziel, allen Personen auf den Bildern, indem man sie identifizierte, ein Stück ihrer Persönlichkeit zurückzugeben. Nach dem Mittagessen hatten wir in unserer Unterkunft einen Workshop zum Thema „Gesichter der Liebe“. In diesem untersuchten wir fünf Geschichten von Menschen, die sich in Konzentrationslagern verliebt hatten. Hier beeindruckte uns insbesondere das Schicksal von Jurek und Cyla, die es schafften, gemeinsam aus Auschwitz zu fliehen, sich aber dann trennen mussten. Doch 39 Jahre später kam es zu einem Wiedersehen, als Cyla erfuhr, dass Jurek sie in einem Fernsehinterview erwähnt hatte. Im Anschluss an das Abendessen folgte eine Reflexionsrunde, in der wir alle mithilfe der Beantwortung verschiedener Fragen versuchten, das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten.




Bevor es für uns weiter nach Krakau ging, besuchten wir am folgenden Morgen die Gemäldeausstellung des Holocaust-Überlebenden Marian Kołodziej. Unzählige Schwarz-Weiß-Malereien, auf denen ausgehungerte Menschen zu sehen waren, berührten uns sehr. Zuletzt führten wir an der alten Rampe eine kleine Gedenkveranstaltung durch, bei der unsere Lehrkräfte emotionale Worte fanden und wir Kerzen anzündeten. Voller unbegreiflicher Eindrücke kamen wir am Nachmittag in Krakau an, wo wir eine dreistündige Führung erhielten. Zu Beginn waren wir auf den Spuren jüdischen Lebens unterwegs und besuchten u.a. eine Synagoge sowie einen jüdischen Friedhof. Die Tatsache, dass dieser während des Krieges von den Nationalsozialisten als Mülldeponie genutzt wurde, untermauert, wie sehr man versuchte, der jüdischen Bevölkerung ihre Würde zu nehmen. Zum Abschluss hatten wir einen Abend zur freien Verfügung.



An unserem letzten Tag besuchten wir am Morgen die Fabrik von Oskar Schindler („Schindlers Liste“), in der jetzt ein Museum eingerichtet ist, in dem zunächst die Situation Polens vor und während des Zweiten Weltkrieges geschildert und anschließend die Geschichte von Oskar Schindler dargestellt wurde. Den Abschluss des offiziellen Programms war die Besichtigung eines Überrestes der ehemaligen Ghettomauer. Nach einem entspannten Nachmittag, den wir individuell gestalten durften, gingen wir gemeinsam zu einem Italiener, was einen schönen Abschluss für unsere Fahrt bildete.
Diese Woche hat uns allen erneut vor Augen geführt, dass sich die Geschichte niemals wiederholen darf. Denn dass aufgrund einer menschenverachtenden Ideologie Millionen Menschen ermordet wurden, bleibt auch nach der Fahrt unbegreiflich. Unser Ziel ist es nun, das Erlebte an Freunde und Bekannte weiterzutragen, um die Erinnerung aufrechtzuerhalten.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Sanddorf-Stiftung, die den größten Teil der Kosten unserer Studienfahrt übernommen hat. Außerdem gilt unser Dank dem Bildungsministerium und der Staatskanzlei des Landes Rheinland-Pfalz, die uns finanziell unterstützt haben. Auch aus der Region haben wir Unterstützung erhalten. So von der Kreissparkasse Birkenfeld, dem Lions-Club Birkenfeld und dem Förderverein des Gymnasiums. Ihnen gilt ebenfalls unser Dank. Ein besonderer Dank gilt außerdem dem Lebensmittelunternehmen EDEKA Decker aus Hoppstädten-Weiersbach, dass unsere AG Aktivitäten seit Jahren durch Spenden unterstützt und unsere diesjährige Studienfahrt mit Getränken und Lebensmitteln versorgt hat.
Zum Schluss möchten wir unseren Lehrern Herrn Heck und Frau Steiner-Wilhelmi für die Organisation und Betreuung während der Fahrt danken.
Johanna Schneider, MSS 13

