Besuch der Zeitzeugin Frau Deutsch

Geschrieben von J. Gronert (Klasse 10a), Bild H. G. Heck.

Am 11.02.2016 versammelten sich alle 10. Klassen im Biologiesaal des Gymnasiums Birkenfeld zu einem Zeitzeugengespräch. Hintergrund dieser Veranstaltung war der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, der jedes Jahr am 27. Januar begangen wird. Da die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg im Lehrplan des Fachs Geschichte für die Jahrgangsstufe 10 vorgesehen ist, bot sich für die Schüler so einmal eine lebendigere Perspektive auf diese Themen.

Zeitzeuge

Herr Schuldirektor Fries führte zunächst in die Veranstaltung ein und stellte uns die Zeitzeugin Frau Deutsch vor, welche über die Vergangenheit ihres bereits verstorbenen Mannes Alex Deutsch erzählte. Zunächst führte sie uns einen Film vor, der in Regie des Adolf-Bender-Zentrums in St. Wendel über ihren Mann gedreht wurde. Voller Aufmerksamkeit schauten wir diesen Film, der Alex Deutsch u. a. bei einem Besuch im Vernichtungslager Auschwitz zeigte. Kaum einer im Saal der von den Szenen und den Interviews mit Alex Deutsch nicht ergriffen war.

1943 wurden viele Juden, darunter Herr Deutsch, seine erste Frau und sein Sohn in Güterwaggons nach Auschwitz-Birkenau transportiert. Erst zwei Wochen später erfuhr er, dass seine Frau und sein Sohn sofort nach deren Ankunft vergast wurden. Herr Deutsch war fest entschlossen, das KZ zu überleben, um Rache zu nehmen. Er selbst befand sich im Konzentrationslager Monowitz, einem Nebenlager, das der IG Farben als Produktionsstätte diente. Nur abends (also einmal am Tag) bekamen die Häftlinge einen Teller Suppe und ein Stück Brot. Das reichte kaum zum Überleben. Außerdem prügelten und töteten die Kapos willkürlich. Einmal wurde Alex Deutsch ausgepeitscht, weil er versucht hatte, etwas unter seinem Hemd ins Lager zu schmuggeln. Einige Peitschenhiebe mehr und er wäre gestorben. Das alles war grausam, unmenschlich: es war die reinste Brutalität.

Anfang 1945 wurden die noch arbeitsfähigen Häftlinge, darunter auch Alex Deutsch, zu einem Todesmarsch ins Deutsche Reich gezwungen. Alle die keine Kraft mehr hatten weiter zu gehen, wurden kaltherzig erschossen. Der Marsch führte Alex Deutsch über das KZ Langenstein-Zwieberge nach Magdeburg, wo ihm und drei seiner Kameraden die Flucht gelang. Anschließend wurden sie von den Amerikanern befreit.

Einige Zeit später traf er durch einen besonderen Zufall in Paris auf offener Straße seinen Bruder. Dieser sagte ihm, dass ein großer Teil seiner Familie noch rechtzeitig in die USA auswandern konnte. Obwohl es ihm schwer fiel, legte er bewusst seine Rachegefühle ab. Kurz nach Kriegsende folgte er seinen Verwandten in die USA, wo er sich schnell integrierte und kurze Zeit später einen Supermarkt eröffnete. Mehrere kleine Überfälle erschwerten ihm jedoch zunehmend das Leben, doch erst nach einem brutalen bewaffneten Raubüberfall, der ihm beinahe sein Leben gekostet hätte, gab er sein Geschäft auf. Nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete er die Witwe eines Freundes aus dem Saarland, den er im Konzentrationslager kennengelernt hatte: Die hier anwesende Frau Deutsch. Mit ihr zog er wieder zurück ins Saarland und besuchte fortan Schulen, um über seine Erlebnisse vor jungen Menschen zu sprechen.

In der anschließenden Fragerunde war die Begeisterung der Schüler spürbar. Frau Deutsch beantwortete alle Fragen in Ruhe und sie erzählte auch noch einiges aus ihrem eigenen Leben. 

Zum Schluss betrachteten wir im Foyer sehr interessiert eine Ausstellung die nochmal einiges über Alex Deutschs Leben zusammengefasste. Außerdem hingen im Flur eindrucksvolle Bilder, die von Herrn Heck in Auschwitz-Stammlager und Auschwitz-Birkenau aufgenommen worden waren. Auf einem Bild waren nur Schuhe abgebildet. Es waren Schuhe, welche die Juden ausziehen mussten, bevor sie in den Tod gehen mussten.

In mir sträubt sich alles dagegen das zu glauben, was ich gehört habe. Ich will nicht wahrhaben, wie grausam Menschen zu Menschen sein können. Doch was ich hier erfahren habe ist wahr! Es ist wichtig der Realität ins Auge zu sehen, nicht zu verdrängen und aus der Vergangenheit zu lernen.

Am 11.02.1016 hat sich vor allem eines in mein Gedächtnis gebrannt. Das Zitat von Alex Deutsch:

„Lasst euch nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen! Lernt, miteinander zu leben und nicht gegeneinander!“