Besuch in der Synagoge zu Saarbrücken

Geschrieben von Emely Schechtel, Foto von Hans-Georg Heck.

Am 30. Mai 2018 haben wir, die katholischen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 6, zusammen mit unserem Religionslehrer Herrn Heck und der Mutter einer Mitschülerin die Synagoge in Saarbrücken besucht.

Synagoge

Bevor wir den Gottesdienstraum betreten durften, mussten die Jungs eine schwarze Kopfbedeckung aufziehen, die sogenannte Kippa. Es ist ein Zeichen der Ehrfurcht gegenüber Gott. Die Mädchen und Frauen brauchen das nicht, aber häufig tragen sie während eines Gottesdienstes ein Kopftuch.

Im Gottesdienstraum mussten wir uns zunächst auf die Sitzbänke setzen und Herr Chaid, der Kantor der Gemeinde, der unsere Führung leitete, stellte uns Fragen. Aber auch wir durften Fragen stellen, die wir uns zum Teil schon vorher überlegt hatten, z. B. wie lange es diese Synagoge schon gibt. Dabei erfuhren wir, dass sie in den 1950er Jahren erbaut wurde, da die alte Synagoge von den Nazis vor dem 2. Weltkrieg im Jahr 1938 zerstört wurde.

Dann durften wir zum Lesepult kommen, das vorne in der Synagoge etwas erhöht steht. Hinter dem Lesepult befindet sich der Schrank mit den Tora-Rollen, von denen Herr Chaid eine Rolle herausnahm, auf das Lesepult legte und entrollte. Ein ganz spannender Moment, da wir davon nur im Unterricht etwas gehört, aber noch nie eine Tora-Rolle gesehen hatten. Aus der Tora, die die fünf Bücher Mose (Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium) umfasst, wird während des Sabbat-Gottesdienstes vorgelesen. Entdeckt der Kantor während des Lesens einen möglichen Schreibfehler (die Tora wird in dem Zeitraum eines Jahres per Hand auf Pergament geschrieben), holt er zunächst ein Kind aus der Gemeinde nach vorne und lässt es überprüfen. Kann das Kind den Buchstaben nicht lesen, ist es ein Fehler, die Tora-Rolle wird zusammengerollt, wegstellt und eine andere hervorgeholt. Das macht man, weil das Wort Gottes keine Fehler besitzen darf. Im Übrigen dauert es 6 Jahre, bis man eine Tora auf Hebräisch richtig lesen kann. Ist eine Tora-Rolle nicht mehr zu gebrauchen, wird sie nicht einfach weggeschmissen, sondern auf dem Friedhof beerdigt.

In der Synagoge in Saarbrücken befinden sich vorne neben dem Lesepult und dem Tora-Schrein auch zwei überdimensionale Gesetzestafeln, auf den die 10 Gebote verzeichnet sind. Diese gehören nicht zu jeder Synagoge, sondern dienen hier nur zu Dekorationszwecken. Im Gottesdienst sitzen übrigens die Männer von den Frauen getrennt. Hier in Saarbrücken die Männer unten und die Frauen oben auf der Empore.

Nach einer Stunde war unsere Führung leider schon beendet. Wir besichtigten noch die katholische Basilika St. Johann und durften anschließend noch in Gruppen die nähere Umgebung des St. Johanner-Marktes erkunden. Anschließend trafen wir uns am Saarbrücker Hauptbahnhof, von wo es mit dem Zug wieder nach Neubrücke zurückging. Hier endete dieser Tag voller vieler Eindrücke und spannender Erlebnisse.